Ein Versuch.....
30.05.2008, 18:18Verstoß melden
DIE KLEINEN LEUTE VON SWABEDOO
Verfasser unbekannt
Vor langer, langer Zeit lebten kleine. Leute auf der Erde. Die meisten von ihnen wohnten im
Dorf Swabedoo, und sie nannten sich Swabedoodahs. Sie waren sehr glücklich und liefen
herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüssten jedermann.
Was die Swabedoodahs am meisten liebten, war, einander warme, weiche Pelzchen zu
schenken. Ein jeder von ihnen trug über seiner Schulter einen Beutel und der Beutel war
angefüllt mit weichen Pelzchen. So oft sich Swabedoodahs trafen, gab der eine dem
anderen ein Pelzchen. Es ist sehr schön, einem anderen ein warmes, weiches Pelzchen zu
schenken. Es sagt dem anderen, dass er etwas Besonderes ist es ist eine Art zu sagen "Ich
mag Dich!" Und ebenso schön ist es, von einem anderen ein solches Pelzchen zu
bekommen. Du spürst, wie warm und flaumig es an deinem Gesicht ist, und es ist ein
wundervolles Gefühl, wenn du es sanft und leicht zu den anderen in deinen Beutel legst. Du
fühlst. dich anerkannt und geliebt, wenn jemand dir ein Pelzchen schenkt, und du möchtest
auch gleich etwas Gutes, Schönes tun. Die kleinen Leute von Swabedoo gaben und
bekamen gern weiche, warme Pelzchen, und ihr gemeinsames Leben war ganz ohne Zweifel
sehr glücklich und fröhlich.
Ausserhalb des Dorfes, in einer kalten, dunklen Höhle, wohnte ein grosser, grüner Kobold.
Eigentlich wollte er gar nicht allein dort draussen wohnen, und manchmal war er sehr
einsam. Er hatte schon einige Male am Rand des Dorfes gestanden und sich gewünscht, er
könnte dort mitten unter den fröhlichen Swabedoodahs sein aber er hatte nichts, was er
hätte dazutun können und das Austauschen von warmen, weichen Pelzchen hielt er für
einen grossen Unsinn. Traf er einmal am Waldrand einen der kleinen Leute, dann knurrte er
nur Unverständliches und lief schnell wieder zurück in seine feuchte, dunkle Höhle.
An einem Abend, als der grosse, grüne Kobold wieder einmal am Waldrand stand,
begegnete ihm ein freundlicher kleiner Swabedoodah. "Ist heute nicht ein schöner Tag?"
fragte der Kleine lächelnd. Der grüne Kobold zog nur ein grämliches Gesicht und gab keine
Antwort. "Hier, nimm ein warmes, weiches Pelzchen, sagte der Kleine, "hier ist ein
besonders schönes. Sicher ist es für Dich bestimmt, sonst´ hätte ich es schon lange
verschenkt." Aber der Kobold nahm das Pelzchen nicht. Er sah sich erst nach allen Seiten
um, um sich zu vergewissern, dass auch keiner ihnen zusah oder zuhörte, dann beugte er
sich zu dem Kleinen hinunter und flüsterte ihm ins Ohr: "Du, hör mal, sei nur nicht so
grosszügig mit deinen Pelzchen. Weisst du denn nicht dass du eines Tages kein einziges
Pelzchen mehr besitzt, wenn du sie immer so einfach an jeden, der dir Ober den Weg läuft,
verschenkst?" Erstaunt und ein wenig hilflos blickte der kleine Swabedoodah zu dem Kobold
hoch. Der hatte in der Zwischenzeit den Beutel von der Schulter des Kleinen genommen und
geöffnet. Es klang richtig befriedigt, als er sagte: "Hab ich es nicht, gesagt! Kaum mehr als
217 Pelzchen hast du noch in deinem Beutel. Also, wenn ich du wäre: ich würde vorsichtig
mit dem Verschenken sein!" Damit tappte der Kobold auf seinen grossen, grünen Füssen
davon und liess einen verwirrten und unglücklichen Swabedoodah am Waldrand zurück.
Er
war so verwirrt, so unglücklich, d ass er gar nicht darüber nachdachte, dass das, was der
Kobold da erzählte, überhaupt nicht sein konnte. Denn jeder Swabedoodah besass einen
unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen. Schenkte er ein Pelzchen, so bekam er sofort von
einem anderen ein Pelzchen, und dies geschah immer und immer wieder, ein ganzes Leben
lang wie sollten dabei die Pelzchen ausgehen?
Auch der Kobold wusste das doch er verliess sich auf die Gutgläubigkeit der kleinen Leute.
Und noch auf etwas anderes verliess er sich, etwas, was er an sich selbst entdeckt hatte,
und von dem er wissen wollte, ob es auch in den kleinen Swabedoodahs steckte. So belog
er den kleinen Swabedoodah ganz bewusst, setzte sich in den Eingang seiner Höhle und
wartete.
Vor seinem Haus in Swabedoo sass der kleine, verwirrte Swabedoodah und grübelte vor
sich hin. Nicht lange, so kam ein guter Bekannter vorbei, mit dem er schon viele warme,
weiche Pelzchen ausgetauscht hatte. "Wie schön ist dieser Tag!" rief der, Freund, griff in
seinen Beutel, und gab de m anderen ein Pelzchen. Doch dieser nahm es nicht freudig
entgegen, sondern wehrte mit den Händen ab. "Nein, nein! Behalte es lieber," rief der Kleine,
"wer weiss, wie schnell sonst dein Vorrat abnimmt. Eines Tages stehst du ohne Pelzchen
da!" Der Freund stand ihn nicht zuckte nur mit den Schultern, packte das Pelzchen zurück in
seinen Beutel und ging mit leisem Gruss davon. Aber er nahm verwirrte Gedanken mit, und
am gleichen Abend konnte man noch dreimal im Dorf hören, wie ein Swabedoodah zum
anderen sagte: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Pelzchen für Dich. Ich
muss darauf achten, dass sie mir nicht ausgehen."
Am kommenden Tag hatte sich dies alles im ganzen Dorf ausgebreitet. Jedermann begann,
seine Pelzchen aufzuheben. Man, verschenkte zwar immer noch ab und zu eines, aber man
tat es erst nach langer, gründlicher Oberlegung und sehr, sehr vorsichtig. Und dann waren
es zumeist nicht die ganz besonders schönen Pelzchen, sondern die kleinen mit schon
etwas abgenutzten Stelle.
Die kleinen Swabedoodahs wurden misstrauisch. Man begann, sich argwöhnisch zu
beobachten, man dachte darüber nach, ob der andere wirklich ein Pelzchen wert war.
Manche trieben es soweit, dass sie ihre Pelzbeutel nachts unter den Betten versteckten.
Streitigkeiten brachen darüber aus, wie viele Pelzchen der oder der besass. Und schliesslich
begannen die Leute, warme, weiche Pelzchen gegen Sachen einzutauschen, anstatt sie
einfach zu verschenken. Der Bürgermeister von Swabedoo machte sogar eine Erhebung,
wie viele Pelzchen insgesamt vorhanden waren, liess dann mitteilen, dass die Anzahl
begrenzt sei und rief die Pelzchen als Tauschmittel aus. Bald stritten sich die kleinen Leute
darüber, wie viele Pelzchen, eine Übernachtung oder eine Mahlzeit im Hause eines anderen
wert sein müsste. Wirklich, es gab sogar einige Fälle von Pelzchenraub! An dämmerigen
Abenden fühlte man sich draussen nicht mehr sicher, an Abenden, an denen früher die
Swabedoodahs gern im Park oder auf den Strassen spazieren gegangen waren, um
einander zu grüssen, um sich warme, weiche Pelzchen zu schenken.
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