Viel Arbeit, wenig Geld für studentische Hilfskräfte
Das ist schlichtweg Ausbeute und steht in keinem Verhältniss zu den 500 Euro und mehr, die Studenten jedes halbe Jahr für Studiengebühren und andere Semesterbeiträge zahlen müssen.
An der Tanke gibt es ungelernt (BaWü) 7,50 Euro + Trinkgelder, aber Studenten sind eben keine ungelernten Kräfte, sondern angehende Akademiker, die mindestens auf Abilevel rechtschreiben, lesen, rechnen, Fremdsprachen, ... draufhaben. Das kann in meinen Augen nicht verglichen werden mit Arbeitskräften, die im Extremfall Analphabeten sind!
Putzhilfen verlangen bei uns zwischen 8 und 15 Euro, Schüler ab Mittelstufe liegen auch bei ca. 15 Euro, wenn sie eine Stunde Nachhilfe geben, Studenten natürlich entsprechend höher: 25-30 ist da ganz normal, Absolventen, die sich für ihren Schüler auch wirklich einsetzen oder Lehramtsstudenten, kenne ich unter 30 Euro keine ...
Ich selber habe jedoch auch als Tutorin in unterschiedlichen Fächern gearbeitet; es gab immerhin 7,16 Euro/Stunde (immernoch mein geringster Verdienst seit Beginn des Studiums) und ich hatte meist komplett freie Zeiteinteilung, was bedeutet, statt vor irgend ein doofes Fernsehprogramm zu sitzen und sich doch zu langweilen, habe ich in den Bereichen, die mich interessiert haben über das Level in den Vorlesungen hinaus, gearbeitet und meinen Horizont erweitern können. Fahrtzeiten mit Öffis zu Bibliotheken wg. Recherche für die Prof´s war Arbeitszeit und wenn ich in dem Bereich nicht ohnehin ein Abbo hatte, wurden die Kosten für Tickets mit abgerechnet, ebenso wie Kopien und andere Ausgaben im Zusammenhang mit der Tätigkeit.
Nur in irgendeinem Bereich, der mich nicht herausragend interessiert hätte, hätte ich jedoch für das Honorar den Job nicht gemacht und ebenso nicht, wenn das meiste nicht in freier Zeiteinteilung gewesen wäre.
Inzwischen ist mein Studium abgeschlossen und ich habe für mich selber anhand meiner letzten Jobs während des Studiums (Messlatte waren natürlich die Bestbezahlten) meinen Mindeststundenlohn festgelegt, welcher hier selbstverständlich geheim gehalten wird.
Honorare unter 10-15 Euro/Stunde sind in meinen Augen für angehende Akademiker lediglich als Aufwandsentschädigung zu werten und die Tätigkeit nicht als Job mit Motivation Geld für Lebensunterhalt und Co. zu verdienen, sondern als ehrenamtliche Tätigkeit, die man bereit ist, bei besonders engagierten Dozenten im Gegenzug zu machen!
Ein dringendes Argument für gerechte Entlohnung von angehenden Akademikern ist auch die Tatsache, dass von solch geringen Beträgen niemand ausreichend Sicherheit verspüren kann, bewußt Kinder in die Welt zu setzen. Wenn ich die Demographiedebatten der letzten Jahre ansehe, dann wäre es durchaus sinnvoll, Studenten meinetwegen für die Gesamtzeit ihres Studiums fest anzustellen und sinnvoll zu bezahlen, was diesen auch ausreichend Möglichkeit geben würde, Kinderwünsche schon zu Beginn des Studiums zu realisieren.
Gestern gab es hier eine Nachricht, in der wiedereinmal die Frage aufgeworfen wurde, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind sei.
Nun, der ist ganz sicher frühestens dann, wenn ich sicher sein kann, dem Kind auch ein Aufwachsen in Sicherheit und Geborgenheit geben zu können. Das geht mit schlecht bezahlten und kurzfristigen Jobs mal auf jeden Fall nicht. Also soll sich bitteschön niemand beschweren, AkademikerInnen würden so spät oder gar nicht mehr Kinder bekommen, bevor sich hier nicht entschieden etwas ändert.
Wenn die Krise vorbei ist und das stabil und gut erkenntlich, bin ich mir sicher, werden die Leute auch gerne wieder mehr Kinder bekommen.
Bis dahin kann ich nur ehrlich jedem jungen Menschen raten zu warten und erstmal zuzusehen, wie er oder sie selber einigermaßen über die Runden kommt!
@ ohneNamen: "Ein dringendes Argument für gerechte Entlohnung von angehenden Akademikern ist auch die Tatsache, dass von solch geringen Beträgen niemand ausreichend Sicherheit verspüren kann, bewußt Kinder in die Welt zu setzen."
Um eine kleine Familie zu ernähren sucht man sich sicher keine HiWi-Stelle... Ich bekomm 5,11€/h und finds verdammt wenig. Aber ich kann meine praktischen Fähigkeiten ausbauen, beschäftige mich neben dem Standard-Vorlesungsstoff mit einem Forschungsthema, bekomm eine Publikation, die ich vorweisen kann,... Es ist nicht viel Geld, aber auch 200€ im Monat erleichten einiges. Und es macht sich im Lebenslauf besser, als ein Job an der Tanke, der mit der späteren Tätigkeit nichts zu tun hat.
Klar sind die Gehälter lächerlich niedrig, auf der anderen Seite hat die Hochschule nur ein beschränktes Budget. Wenn der einzelne HiWi mehr bekommt, gibts am Ende weniger HiWi-Stellen...
ohneNamen367
An der Tanke gibt es ungelernt (BaWü) 7,50 Euro + Trinkgelder, aber Studenten sind eben keine ungelernten Kräfte, sondern angehende Akademiker, die mindestens auf Abilevel rechtschreiben, lesen, rechnen, Fremdsprachen, ...
Und all diese Fähigkeiten braucht man an einer Tankstelle?
Angehende Akademiker sind in der Regel ungelernte Hilfskräfte.
Schon der unvergessene Hoimar von Dithfurth wußte zu berichten, dass seine Zeit in solchen Funktionen keineswegs üppig honoriert war...
....aber wer noch lernt, sollte da auch gelegentlich nicht gleich die Bezüge von Nobelpreisträgern einkalkulieren.
@gerneleser:
Nun, die Fremdsprachen erscheinen mir doch aus eigener Erfahrung zumindest dann sehr sinnig, wenn sie nichtmal der Chef selber auf´m Kasten hat, aber am Einsatzort häufig eben diese benötigt werden, um bsp.weise mit dem Kunden ein Gespräch führen zu können, welches Motorenöl warum für seinen Wagen u.ä..
Wenn ich durchdenke, wieviel mein Chef in der Zeit weniger verdient hätte, wenn ohne mich niemand sinnvolle englische Gespräche hätte führen und Kunden vom Kauf hätte überzeugen können ...
Klar, Tank füllen und Betrag zahlen geht auch ohne besondere sprachliche Fähigkeiten. Aber vom Spritverkauf kann mein Tankstellenchef eben net leben, dass tut er in erster Linie vom Verkauf aller anderen Dinge.
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